Biografie / Presse / Me Gallery

ka-news Interview

Juli 2013, ka-news

Birnen und Chihuahua mit Wanderstock:
Der Karlsruher Paddy Boehm ist Karikaturist

Karlsruhe (mw) – Zwei winzige Augen und ein riesiger, offenstehender Mund, dazu eine Stirn, die so hoch ragt, dass sie an den Hals einer Birne erinnert: Das ist der gebürtige Fächerstädtler Oliver Kahn in den Augen von Paddy Boehm. Boehms Beruf ist es, Leute zu parodieren – mit Stift und Papier. ka-news sprach mit dem Karlsruher Künstler über den Alltag eines Karikaturisten und Chihuahuas mit Wanderstöcken.

Fragen: Marie Wehrhahn

Herr Boehm, Sie sind Karikaturist und zeichnen beruflich komische Abbilder von Menschen. Andere werden Buchhalter oder Feuerwehrmann, wie kommt man zu einem Job wie dem Ihren?

Ich habe wie fast jedes Kind immer gerne gezeichnet – doch als die anderen als Teenager oder jungen Erwachsenen damit aufhörten, habe ich einfach weiter gemacht und beispielsweise Kunst als Leistungskurs in der Schule gewählt. Ich wurde dann mit der Übung immer besser. Am spannendsten fand ich es schon immer, Leute in verschiedenen Stimmungs- und Lebenslagen abzubilden – ich würde sagen, da liegt auch mein Talent. Gelernt habe ich damals den Beruf des Grafikdesigners – war als solcher auch einige Jahre lang aktiv, bis ich mich vor sechs Jahren etwa als Karikaturist selbstständig machte.

Heute wollen Ihre Kunden für ein merkwürdiges, überzeichnetes Portrait aus Ihrer Feder bezahlen. Wie darf man sich Ihren Alltag zwischen Papier und Zeichenstift vorstellen?

Die Bearbeitungsdauer einer Karikatur variiert stark – manchmal brauche ich für ein Projekt nur einen halben Tag, manchmal eine ganze Woche. Grundsätzlich arbeite ich an meinem Zeichentisch daheim. Kunden schicken mir Fotos von sich, die ich dann als Vorlage für die Karikatur nehme. Das sind vor allem Familien-, Geburtstags- oder Hochzeitsfotos. Aber ich muss zugeben, vereinzelt muss ich über die Aufträge und Wünsche meiner Kunden schmunzeln – oder aber ich muss mich erst einmal in das vorgesehene Thema "einarbeiten": Wenn zum Beispiel ein Junge gerne Baseball spielt, muss ich mich zunächst über die Eigenheiten des Sports informieren, damit ein authentisches Bild entsteht. Es kam auch schon vor, dass eine Dame ihren Chihuahua als einen Wanderer dargestellt haben wollte – also in voller Montur mit Wanderstock- und Schuhen.

Man kann also auch Tiere karikieren?

Ja, das geht schon. Hierbei ist es aber schwierig, die Persönlichkeit eines bestimmten Vierbeiners herauszuarbeiten. Frauchen wünscht sich dann ja ein individuelles und genau auf ihren Bello zugeschnittenes Portrait. Leider sehen sich Hunde einer Rasse in unseren Augen jedoch sehr ähnlich, während menschliche Gesichtszüge auf den ersten Blick schon unverwechselbar sind.

Wenn ich an eine Karikatur einer Person denke, schweben mir automatisch Bilder von übergroßen Köpfen und Nasen im Kopf herum. Habe ich eine verzerrte Vorstellung von diesem Kunststil, oder machen gerade verzerrte Gesichtszüge diesen Kunststil aus?

Hmm, eine Definition ist schwierig. Eine Karikatur ist quasi eine gezeichnete Parodie einer Person oder eines Moments. Es geht eigentlich darum, die Eigenheiten einer Person hervorzuheben, zu übertreiben. Viele Künstler stellen den Kopf übergroß dar. Ob birnenförmig, eckig oder rund: Die Form des Kopfes macht das Gesicht aus, und es gibt nichts Individuelleres als die Gesichtszüge. Ein großer Kopf allein macht allerdings noch keine Karikatur. Es gibt immer wieder Zeichner, die zwar große Köpfe zeichnen, diese dann aber nicht "überzeichnen", es also eigentlich nur normale Porträts auf kleinen Körpern sind.

Wichtig für mich als Zeichner sind außerdem noch die Mundpartie sowie Nase, Augen und Ohren, um die Mimik und den Ausdruck der Person so gut wie möglich nachzustellen. Früher waren bei mir Portraits in, bei denen nur der Kopf zu sehen ist – heute zeichne ich vorwiegend Ganzkörper-Karikaturen, bei denen das Verhältnis von Kopf und Körper etwa eins zu eins beträgt.

Eine Karikatur kritisiert. Deswegen ist sie seit Jahrhunderten ein gängiges Mittel, um die Gesellschaft sowie aktuelle Geschehnisse anzufechten oder sie zu verspotten. Stehen neben Privataufträgen auch Promi-Karikaturen auf Ihrem Programm, Herr Boehm?

Ab und zu schon. Früher habe ich mich viel mit Prominenten oder Politikern beschäftigt. Heute bleibt mir leider wenig Zeit dafür. Ich habe vor allem Leute gemalt, die mich persönlich interessieren oder solche, die gerade die Öffentlichkeit durch Schlagzeilen prägen. Eine regionale Größe, die ich mal gezeichnet habe, ist übrigens Oliver Kahn – der kommt ja ursprünglich aus Karlsruhe.

Link zum Originalinterview


Sept. 2006, Klappe Auf

"Manche sagen ja, es gibt Musiker auf der einen Seite und Schlagzeuger auf der anderen Seite. Genauso werden Karikaturisten oft als Witzmaler, nicht als Künstler wahrgenommen", sagt Paddy Boehm. Er muss es wissen, denn er ist beides. Schlagzeugspielen betreibt er als Hobby, als Karikaturist würde er gerne irgendwann ausschließlich seine Brötchen verdienen. Trotzdem ist ihm das Underdog-Image seiner Leidenschaften offensichtlich nicht unsympathisch.

Sticks und Stifte — Paddy Boehm

von Thomas Zimmer

Patrick Mark Boehm, 1973 geboren, erlebte seine Initialzündung Anfang der 80er Jahre: Die Bilder der deutschen Fußballmnanschaft, die Volker Ernsting 1982 in der "Hörzu" gezeichnet hatte, hatten den Neunjährigen infiziert. Er fand diese extrem überzeichneten Gesichter einfach toll. Mit 15 Jahren fing er an, mit seinem sechs Jahre jüngeren (!) Bruder Tim ein kleines, schwarzweißes Comic-Fanzine herauszugeben. Mit Schreibmaschine geschriebene Texte und Paddys Zeichnungen wurden zusammengeklebt und kopiert, Freundeskreis und Verwandtschaft damit bedacht.

Er wurde beeinflusst von franko-belgischen Comic-Zeichnern wie Uderzo, Morris, Franquin, Tabary und Karikaturisten wie Mulatier, Morchoisne und natürlich Sebastian Krüger. Nachdem er die Schule beendet hatte, lernte er Grafik-Design und arbeitete lange Zeit in einem Verlag. Seine Ausstellung im Radio Oriente "versammelt das Beste aus den vergangenen drei Jahren". Die drei, die dem Künstler selbst am meisten gefallen, sind "Snoop Dogg, Gene Simmons und Polanski". Natürlich gibt es auf seinen Blöcken auch unzählige paddyfizierte Freunde und Verwandte, aber sein Ding ist die Prominentenkarikatur. Da die Berühmtheiten einem Paddy Boehm nicht Modell sitzen, muss er sich auf Fotos verlassen. Als Grundlage benutzt er immer mehrere Bilder, um die charakteristischen Facetten und Nuancen eines Gesichts zu studieren.

Boehm steckt viel Detailarbeit mit dem spitzen Buntstift in seine Porträts, ähnlich wie der berühmtere Kollege Sebastian Krüger, dessen Einfluss Boehms Werken immer noch anzusehen ist. Vom Entwurf bis zum fertigen Porträt ist das oft genug mehr als ein kompletter Arbeitstag. Zumal er auch zunehmend den Ehrgeiz hat, seine Promibilder in adäquate Bildhintergründe einzuarbeiten, die wiederum genauso viel Sorgfalt und Fingerspitzengefühl erfordern. Arbeiten als Karikaturist in Zeitungen oder Zeitschriften unterzubringen, wird zunehmend schwieriger. "Im "Focus" beispielsweise wurde gerade eine Karikaturenrubrik durch Fotos ersetzt", sagt Boehm. Immerhin aber hat ihm "Caricature", eine amerikanische Zeitschrift, vier Hochglanzseiten gewidmet, er hat mit einigen seiner Blätter Preise eingeheimst, und ein Madonna- und ein Marilyn-Monroe-Porträt sind in Bildbänden eines Londoner Verlages erschienen. "Das ist ja schon was für die Ewigkeit, in so einem Buch zu sein", freut er sich. tz


Nov. 2005, BNN (Badische Neueste Nachrichten)

Das Bild öffnet die Augen

Die Karikaturen von Paddy Boehm sind auch in den USA gefragt

von unserer Mitarbeiterin Monika John

Angela Merkel. Auf dem Zeichenbrett liegt ihr Foto aus einer Zeitschrift. Sie lächelt. Daneben eine Bleistiftzeichnung, der Entwurf einer Karikatur: Frau Merkel mit ausgeprägtem, lang herab gezogenem Kinn, mit breit lächelndem Mund und eng stehenden, müde erscheinenden Augen. Der Entwurf ist die Grundlage für das Bild, an dem Karikaturist Patrick Boehm, genannt Paddy, arbeitet. Mit Acrylfarben und Pinsel ist der Hintergrund gemalt, auch die Gesichtskonturen, die gröberen Linien, die Haare. Werden die Striche jedoch feiner, das ist immer dann, wenn Formen mittels zartester Schattierungen herausgearbeitet werden sollen, dann greift der 32-Jährige lieber zu seinen nadelspitzen Buntstiften.

Seine humorvollen, gelegentlich ironischen Bilder verraten nicht nur seine spezielle künstlerische Begabung, sondern auch eine Engelsgeduld. Oft genug dauert es zehn Stunden und mehr, bis Paddy mit allerfeinsten Strichen Vorzüge oder typische Merkmale in einem Gesicht herausgearbeitet hat — etwa große Augen, eine lange Nase oder ein ausgeprägtes Kinn —, um die Wiedererkennbarkeit, etwa bei Promis oder Politikern, zu erhöhen. So macht er dem Betrachter das Lachen von Jennifer Lopez bewusst oder wirft ihm die aufgeworfenen Lippen einer Angelina Jolie buchstäblich entgegen. Paddys Karikatur von Madonna ist im Kunstbildband "Madonna in Art" erschienen, im nächsten Jahr wird Marilyn Monroe folgen. Mit seinem Günter Grass und Serge G. hat er Preise eingeheimst. "Caricature", eine amerikanische Zeitschrift, hat ihm vier Hochglanzseiten gewidmet und ein US-Amerikaner gleich danach eine ganze Portrait-Serie von Prominenten aufgekauft.

Wie er auf diese Art zu malen gekommen ist? "Gemalt habe ich schon als Kleinkind", berichtet der Mann, der am Karlsruher Humboldt-Gymnasium Abitur gemacht, dann Grafik-Design gelernt hat und seit einigen Jahren in einem Verlag arbeitet. Die "komische Kunst" habe ihn, seit er denken kann, fasziniert. Im Alter von 15 Jahren gab er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Tim das Comic-Heft "Zeitlupe" heraus.

Beide machten das etwa zehn Jahre lang. Während sein Bruder sich auf Cartoons und Comics konzentrierte, machte Paddy die Illustrationen und Karikaturen.

Sein großes Vorbild ist der Großmeister und Guru der zeitgenössischen Karikaturisten, Sebastian Krüger. Wie er will Paddy nichts von schnell hingeworfenen Bleistiftstrichen wissen.

Seine Werke sind eine Kunst, die langsam wächst, um eine Persönlichkeit detailstark, humorvoll und unverwechselbar aufs Blatt zu bannen. "Eine Karikatur soll dem Betrachter die Augen öffnen", sagt er.


Jan./Feb. 2004, Car-i-ca-ture Magazine

Biographie – Paddy Boehm

Ich will nicht zu weit in die Vergangenheit zurückgehen. Man kennt ja all die Klischees wie "mit dem Bleistift in der Hand geboren" und so weiter. Wie viele andere mochte ich Comics in meiner Kindheit. Hauptsächlich die witzigen. Die Künstler die mir am meisten gefielen, waren Albert Uderzo (Asterix), Morris (Lucky Luke), André Franquin (Spirou, Gaston), Jean Tabary (Isnogud), Hergé (Tim und Struppi). Ich las auch Mickey Mouse und später Mad, aber ich denke meine Wurzeln sind mehr europäisch. Mein Traum war es, Comiczeichner zu werden. Die Zukunft hat gezeigt, dass ich keine Comics zeichne, stattdessen Karikaturen.

Ich denke, der erste Porträtkarikaturist der mir aufgefallen ist, war Volker Ernsting. Er zeichnete Cartoons und Karikaturen für die deutsche Fernsehzeitschrift "Hörzu". Seine Karikaturen der deutschen Fußballnationalmannschaft sind legendär. Ich las in einem Interview, dass er auch großen Einfluss auf Krüger hatte.

Ich war erst 14 Jahre alt, als mein jüngerer Bruder Tim und ich unser eigenes Heft herausbrachten. Es war eigentlich Tims Idee und im zarten Alter von acht Jahren war er seiner Zeit weit voraus. Ich half ihm beim Layout und habe die meisten Titelbilder gezeichnet.

Die Zeitschrift hieß "Zeitlupe". Dies ist ein Wortspiel, klingt ähnlich wie das deutsche Wort für Zeitschrift. "Zeit" bedeutet "time" und "Lupe" ist "lens". Aber "Zeitlupe" bedeutet eigentlich "slow motion". Der Witz verliert sich etwas in der englischen Übersetzung.

Der Spitzname meines Bruders ist "Igel", das bedeutet "hedgehog". Daher nannten wir unseren Verlag "Igolin Verlag". Wir waren noch Kinder, daher was es keine richtige Firma. Man findet man auch all diese Igelnasen in unseren Zeichnungen. Wir sind beides große Freunde von Parodien. Auf den Titelbildern hatten wir Parodien von berühmten Gemälden, Filmen und ähnliches. Am Anfang hatten sie alle die typischen Igelnasen.

Ich war noch ein Teenager als ich meine erste Krügerzeichnung sah. Es war in einer Anzeige im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Es zeigte den ehemaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl schlafend an einem Tisch. Ich war überwältigt, es hat mich einfach umgehauen! Ich hatte vorher schon viele Karikaturen gesehen, aber dieses Krügerbild war atemberaubend und unglaublich. Nach diesem emotionalen Durchbruch begann ich nach allem zu suchen, was dieser fantastische Künstler veröffentlicht hat. Er malte Titelillustrationen für das Satiremagazin "Kowalski", aber hat inzwischen damit aufgehört. Seitdem ist Sebastian Krüger gut etabliert als Illustrator in Deutschland und seine Arbeiten zieren die Titelbilder vieler Publikationen.

Andere Einflüsse beinhalten die französischen Karikaturisten Jean Mulatier und Jean Morchoisne. Jeder von ihnen zeichnete mit Buntstiften und das wurde auch mein bevorzugtes Medium.

Ich hatte Kunst und Englisch als Leistungskurs die letzten zwei Jahre am Gymnasium. Immer noch mit dem Traum, eines Tages ein weltberühmter Karikaturist und/oder Illustrator zu werden, habe ich Grafik-Design studiert. Ich habe nicht viel in Richtung Karikatur gemacht in der Zeit zwischen 1994 und 2000. Aber schließlich habe ich die Grafik-Design-Ausbildung zu meinen Gunsten gemacht.

1998 und 1999 habe ich wieder mit "meinen Karikaturen" angefangen. Ich habe viele Studien in Schwarzweiß angefertigt (Proportionen, Licht und Schatten, ...). Im Jahr 2000 begann ich wieder ernsthaft Farbe in meine Arbeiten zu bringen. Ich habe vorher schon farbig gearbeitet, aber an diesem Punkt begann ich mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich verbrachte all meine Freizeit um mich auf diese Kunstform zu spezialisieren.

Gleichzeitig kam die Entdeckung der Möglichkeiten des Internets. Ich entdeckte "tausende" großartige Karikaturisten von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Vor allem Jan Op de Beeck. Seine monatlichen Wettbewerbe müssen erwähnt werden. Ich gewann den dritten Platz für meine Zeichnung von Steven Spielberg 2001 und den zweiten Platz für Günter Grass 2003.

Zusammen mit einem Arbeitskollegen begann ich eine eigene Website aufzubauen. Ich bin online seit Juli 2002, mit großem Erfolg bis heute. Ich bin sehr froh und glücklich, dass ich täglich mehr Besucher habe und das fasziniert mich einfach. Zusätzlich zu Auftragsarbeiten, lerne ich mehr und mehr Künstler kennen, die das gleiche machen wie ich. Mein Werk und mein Name werden bekannter. Das ist meine Geschichte soweit und ich bin sehr neugierig, zu sehen was die Zukunft bringen wird.

Seitenanfang